Über verschlungene Wege und das Eigenleben einer Modellbahn

 

Durch viele Erfahrungen gereift glaube ich zu wissen, was ich im Hobby erreichen will. Betrieb als das hohe Ziel einer Modellbahn - eine feine Sache und inzwischen durch einige praktische Erfahrungen untermauert.

Aber auch die Erkenntnis, dass ich in meinem heimischen Keller überwiegend Einzelkämpfer bin und bleiben werde. In der US-amerikanischen Literatur fand ich schließlich passende Konzepte: die Industrieanschlussbahn, die lediglich von ein, zwei Frachtzügen am Tag bedient wird, dabei aber genau das generiert, was ich am meisten schätze - maximalen Rangierspaß!

Und mit dem Frachtagenten fand ich auch noch den kongenialen Partner dafür. Bitte hierzu die Kapitel zum Betrieb beachten!

 

Für die konkrete Anlagenplanung hatte ich einige Entwürfe verfolgt, bis ich schließlich bei der Eisern-Siegener-Eisenbahn als großes Vorbild hängen blieb. Der Bahnhof Hain als Betriebsmittelpunkt - das war es!

 

Oder schien es zu sein...

 

Anfangs begleitete mich dieses Vorbild während des Anlagenbaus. Aber es geschah etwas, das ich auch schon bei früheren Modellbahn-Projekten erlebt hatte. Die Anlage entwickelte ein Eigenleben und der Bau führte mich auf ganz andere Wege!

 

Was war geschehen?

Je weiter ich baute, desto weniger hatte das, was da entstand noch mit dem gewähltem Vorbild zu tun. Es war von Anfang an klar, dass es niemals die passenden Triebfahrzeuge geben würde. Also vielleicht doch eher eine bundesbahnische Version der ESE? Die Hochbauten sehen nun aber ganz anders aus, als auf den historischen Fotos zu erkennen ist. Einfach der Tatsache geschuldet, dass es heute keine Originalbauten mehr gibt und ich mich eher an dem orientiere, was mein eigenes Archiv und die Fantasie hergeben.

Das wunderbare Stellwerk aus dem Bergischen, das ich schon vorher gebaut hatte, musste unbedingt sein. Im Original waren alle Weichen aber ortsgestellt. Und aus der eigentlich städtischen Kulisse wurde eine eher landschaftlich geprägte - die aber hervorragend ins bergische Land passt, wie ich meine.

Und so weiter...

 

Was ist entstanden?

Eine -wie ich finde- durchaus sehr stimmige Industrieeisenbahn, wie sie plausibel ins bergische oder Sauerland passen würde. Der ortstypische Bezug entsteht auf der Kulisse, ebenso bei der Architektur (Fachwerk und Schiefer). Dann der industrielle Charakter der Bahn, vorwiegend kleine und mittelgroße stahlverarbeitende Industrien.

 

Ich habe nach einigem inneren Ringen beschlossen, den konkreten Vorbildbezug aufzugeben und mich zu dem zu bekennen, was meine Anlage ist: ein Fantasieprodukt, getreu dem Motto: besser gut ausgedacht als schlecht kopiert...

 

Aus Hain wird Volpe-Süd*.

 

Die Bahn 'spielt' in den 1960er Jahren im Bergischen. Sie ist eine privat betriebene Industriebahn, die vom (virtuellen) Übergabebahnhof Volpe-Eintracht über den (durchgestalteten) Güterbahnhof Volpe-Süd weiter bis zum (wieder virtuellen) Endbahnhof Krawinkel führt.

So sieht der aktuelle Gleisplan aus (Stand Dezember 2015).

Später soll die Anlage im Nebenraum erweitert werden. Der aktuelle Planungsstand:

Die Namen der Industrieanschließer habe ich von der ESE belassen, wenngleich einige 'umziehen' mussten. Das Streckendiagramm sieht so aus:

In diesem Entwurf schließt direkt der Bhf. Krawinkel an. Inspiriert hatte mich dabei der Bhf. Altenvoerde an der Ennepetalbahn, den ich im Frühjahr 2015 besucht habe. Er ist inzwischen zu einem reinen Industrieanschluss umgebaut worden; Empfangsgebäude und Güterschuppen existieren schon lange nicht mehr. Ähnlich könnte es also in Krawinkel aussehen. Das vordere Gleis 1 hätte noch den Bahnsteig, so dass sogar fallweise Personenverkehr, z.B. mit einem Triebwagen stattfinden könnte.

 

Betrieblicher Reiz bei dem Entwurf ist das Fehlen einer Umsetzmöglichkeit, d.h. dass Güterzüge ab Volpe Süd schieben müssen. Eine Rangierlok ist vor Ort stationiert und hilft beim internen Verschub.

 

Es schließt hier das Industriestammgleis Wildenbach an. Vom Mühlenbetrieb Karl Michel abgesehen sind alle Anschließer rein virtuell durch ein mobiles Ansetzgleis dargestellt. Das erlaubt zukünftige Erweiterungen neuer Kunden, die zu beliefern sind.

 

Derzeit ist dieser Entwurf mein Favorit. Da aber bis Baubeginn noch einige Zeit vergehen wird darf man gespannt sein, wieweit der Plan sich noch verändern wird.

*Wieso eigentlich Volpe?

Weil es mal vor einigen Jahren ein paar sehr humorige Kriminalfilme im Fernsehen gab, die im bergischen Land, eben in Volpe spielten ('hier bei uns am A... der Welt').

 

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